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In der Praxis ist der Schutz der Hände vor Chemikalien komplexer. Verschiedene Chemikalien reagieren unterschiedlich mit Polymeren, und ein Handschuh, der in einer Anwendung gut schützt, bietet in einer anderen möglicherweise nur begrenzten Schutz. Einige der schwerwiegendsten Risiken sind unsichtbar. Chemikalien können einen Handschuh durchdringen, ohne sichtbare Schäden zu verursachen, die Haut nach und nach freilegen und so das Risiko langfristiger Gesundheitsschäden erhöhen.
In den USA, Großbritannien und der EU sind Arbeitgeber gesetzlich verpflichtet, Gefahren zu beurteilen und einen geeigneten Handschutz bereitzustellen. Sie schreiben jedoch keinen einzigen, „richtigen“ Handschuh vor. Die richtige Wahl hängt davon ab, zu verstehen, wie Chemikalien sowohl mit der Haut als auch mit dem Handschuhmaterial interagieren.
Hautkontakt und Chemikalienrisiko
Die Haut ist keine undurchdringliche Barriere. Sie kann Substanzen absorbieren, insbesondere bei wiederholtem oder längerem Kontakt. Daher beschränkt sich das Chemikalienrisiko nicht auf offensichtliche Verbrennungen oder Verschüttungen.
Wiederholter Kontakt kann zu berufsbedingten Hauterkrankungen (OSD) führen, darunter irritative und allergische Kontaktdermatitis. Irritative Kontaktdermatitis entsteht durch kumulative physikalische Schädigung der Haut. Allergische Kontaktdermatitis ist eine Immunreaktion, die nach einer Sensibilisierung auftritt. Das bedeutet, dass bereits geringe Mengen an Substanzen Reaktionen auslösen können.
Eine bekannte Sensibilisierung gegen Latex ist ein Beispiel dafür. Naturlatex bietet hervorragende Elastizität und hohen Tragekomfort, doch die darin enthaltenen Proteine können bei manchen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Nach einer Sensibilisierung können Betroffene Naturlatexhandschuhe unter Umständen nicht mehr gefahrlos tragen.
Manche Chemikalien bergen auch ein Risiko durch die Aufnahme über die Haut. Bestimmte Lösungsmittel können die Lipidschicht der Haut durchdringen und in den Blutkreislauf gelangen, wodurch sie potenziell innere Organe schädigen können. Daher ist die Auswahl von Handschuhen nicht nur eine unmittelbare Sicherheitsmaßnahme, sondern auch eine langfristige Überlegung zum Arbeitsschutz.
Permeation vs. Degradation: Wo Handschuhe wirklich versagen
Ein häufiger Fehler bei der Auswahl von Chemikalienschutzhandschuhen ist die Verwechslung von Degradation und Permeation. Dies sind zwei sehr unterschiedliche Versagensmechanismen.
Degradation ist sichtbar. Der Handschuh kann nach Kontakt mit einer Chemikalie aufquellen, weich werden, spröde werden, seine Farbe verändern oder sich zersetzen. In diesem Fall erkennen die meisten Anwender, dass der Handschuh versagt hat.
Permeation ist weniger offensichtlich und oft gefährlicher. Sie tritt auf, wenn eine Chemikalie das Handschuhmaterial auf molekularer Ebene durchdringt, ohne sichtbare Löcher oder Beschädigungen zu hinterlassen. Von außen kann der Handschuh einwandfrei aussehen, während die Chemikalie durch das Polymer wandert und mit der Haut in Kontakt kommt.
Deshalb ist die Durchbruchzeit ein so wichtiges Leistungsmerkmal. Die Durchbruchzeit gibt an, wie lange es dauert, bis eine Chemikalie nach dem Kontakt auf der Innenseite eines Handschuhs nachweisbar ist. Gemäß EN ISO 374-1:2016 werden Handschuhe auf ihre Beständigkeit gegenüber spezifischen Chemikalien geprüft und anhand dieser Zeit in Leistungsklassen eingeteilt.
In den Vereinigten Staaten verpflichtet die OSHA-Handschutzverordnung (29 CFR 1910.138) Arbeitgeber zur Gefahrenbeurteilung und zur Auswahl geeigneter Handschuhe (Permeationstest gemäß ANSI/ISEA 105 & ASTM F739). Sie legt jedoch keine spezifischen Handschuhmaterialien fest. Daher liegt es in der Verantwortung der Arbeitgeber, die chemikalienspezifische Leistung zu verstehen, anstatt sich auf allgemeine Kennzeichnungen zu verlassen. Ein Handschuh kann intakt aussehen, während Chemikalien ihn durchdringen. Das Aussehen allein ist kein zuverlässiger Indikator für Schutzwirkung.
Die vier wichtigsten Polymere und ihre Eigenschaften
Verschiedene Handschuhpolymere verhalten sich bei Kontakt mit Chemikalien sehr unterschiedlich. Das Verständnis ihrer Stärken und Schwächen ist für eine effektive Risikobewertung unerlässlich.
Nitrilhandschuhe
Nitrilhandschuhe, auch Nitril-Butadien-Kautschuk (NBR) genannt, werden häufig in Industrie- und Laborumgebungen eingesetzt. Sie bieten eine hohe Beständigkeit gegen Öle, Fette und aliphatische Kohlenwasserstoffe sowie eine gute Durchstoßfestigkeit und mechanische Belastbarkeit. Nitril ist zudem frei von natürlichen Kautschukproteinen, wodurch das Allergierisiko reduziert wird.
Allerdings ist Nitril gegenüber bestimmten Chemikalien, insbesondere Ketonen wie Aceton und Methylethylketon (MEK), wenig wirksam. In diesen Umgebungen kann Nitril trotz scheinbar intakter Beschaffenheit eine schnelle Permeation ermöglichen.
Latexhandschuhe
Latex, auch Naturkautschuklatex genannt, wird aufgrund seiner Elastizität, seines Tragekomforts und seiner Tastsensibilität geschätzt. Es verhält sich gut mit wasserbasierten Lösungen, schwachen Säuren, Laugen und Reinigungsmitteln und eignet sich daher für viele Laborarbeiten und leichte Handhabungsaufgaben.
Seine Einschränkungen sind jedoch erheblich. Latex bietet eine geringe Beständigkeit gegenüber Ölen, Fetten und vielen organischen Lösungsmitteln, und das Risiko einer allergischen Sensibilisierung muss stets berücksichtigt werden.
Neoprenhandschuhe
Neopren wird aufgrund seiner Vielseitigkeit häufig gewählt. Es ist auch als Polychloropren bekannt und bietet eine gute Beständigkeit gegenüber Säuren, Basen und Alkoholen, bleibt dabei aber flexibel und strapazierfähig und eignet sich daher für feuchte oder wechselnde Umgebungen.
Neopren hat jedoch auch seine Grenzen. Es ist wenig beständig gegen chlorierte Kohlenwasserstofflösungsmittel und kann im nassen Zustand die Griffigkeit verringern.
Butylhandschuhe
Butylkautschuk, auch Isobutylen-Isopren-Kautschuk genannt, ist für chemisch risikoreiche Umgebungen konzipiert. Er bietet eine außergewöhnliche Beständigkeit gegenüber Ketonen, Estern, Alkoholen und stark korrosiven Säuren sowie eine sehr geringe Gas- und Dampfdurchlässigkeit.
Die Nachteile sind eine geringere Fingerfertigkeit, eine eingeschränkte Griffigkeit und eine niedrigere mechanische Festigkeit im Vergleich zu Nitril- oder Neoprenhandschuhen. In vielen Fällen sind diese Kompromisse akzeptabel, wenn die Exposition gegenüber Chemikalien das Hauptrisiko darstellt.
Warum die Chemikalie wichtiger ist als die Handschuhbezeichnung
„Chemikalienbeständig“ ist zwar eine praktische Bezeichnung, verschleiert aber wichtige Details. Chemikalienschutz ist keine einheitliche Leistungskategorie. Expositionsdauer, Konzentration, Temperatur und Häufigkeit beeinflussen die Leistung eines Handschuhs unter realen Bedingungen.
Deshalb arbeiten Sicherheitsexperten zunehmend mit CAS-Nummern anstelle generischer chemischer Bezeichnungen. Sowohl die OSHA-Richtlinien in den USA als auch die EN-ISO-Prüfrahmen in Europa betonen die chemikalienspezifische Gefahrenbeurteilung. Die Verantwortung für die Auswahl des Handschutzes anhand der tatsächlich verwendeten Substanzen liegt beim Arbeitgeber.
Bessere Entscheidungen mit chemikalienspezifischen Daten
Die manuelle Auswertung von Permeationsdaten ist zeitaufwändig und fehleranfällig. Der Vergleich von Handschuhmaterialien ohne chemikalienspezifische Informationen führt oft zu Annahmen, die sich in der Praxis nicht bewahrheiten.
Die ChemRest-Datenbank von SHOWA unterstützt die fundierte Handschuhauswahl, indem sie Sicherheitsexperten die Bewertung der Chemikalienbeständigkeit nach Substanz und CAS-Nummer ermöglicht. Anwender können Polymere anhand der Durchbruchzeit vergleichen und die Leistung verschiedener Handschuhe unter standardisierten Testbedingungen nachvollziehen.
Dieser Ansatz trägt dazu bei, Entscheidungen zur persönlichen Schutzausrüstung (PSA) von Gewohnheit auf Fakten zu stützen und die Einhaltung von OSHA 29 CFR 1910.138 und EN ISO 374-1:2016 zu unterstützen.
Kein Polymer ist für jede Chemikalie oder jede Aufgabe geeignet. Effektiver Handschutz hängt davon ab, zu verstehen, wie Chemikalien mit den Handschuhmaterialien interagieren, und nicht nur davon, wie die Handschuhe nach dem Gebrauch aussehen.
Verlassen Sie sich nicht auf Vermutungen bezüglich der Hautsicherheit Ihrer Mitarbeiter. Nutzen Sie die ChemRest-Datenbank von SHOWA, um Ihre Chemikalien anhand der CAS-Nummer zu suchen und die passenden Handschuhe auf Basis bewährter Durchbruchzeitdaten zu finden.
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